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Vietnam und Kambodscha

Nachtzug und die Stadt Hue

... ratter, ratter, schepper, ratter, ratter, schepper ... So erholsam kann eine Zugfahrt sein. Die Sonne scheint schon um halb 6 in unser Abteil und von da an kann keiner mehr wirklich schlafen. Die Luft ist wegen der nicht leicht zu regulierenden Klimaanlage zuerst drückend schwül, dann im nächsten Moment wieder zu kalt. Abwechslung muss sein.

So gegen 8 Uhr erreichen wir durchgeschüttelt den Bahnhof in Hue. Unser kleiner Bus erwartet uns schon und wir fahren zuerst zum Hotel, um uns etwas frisch zu machen und zu frühstücken. Nun gut, es gibt schon etwas Essbares, aber der schimmlige Kuchen verdirbt einem dann doch den Hunger. Also halten wir uns eben an die gebratenen Nudeln und den Gemüsereis.

Unser Hotel befindet sich in einer Querstraße unweit des Parfümflusses und gleich in Reichweite des Vergnügungsviertels. Kurze Heimwege sind garantiert.

Mit einer Bootsfahrt auf dem Parfümfluss starten wir in den Tag. Den Namen trägt der Fluss, da er in der Regenzeit Unmengen an Pollen aus dem Hochland mit sich führt und teilweise auch danach riecht. Wir riechen heute nichts davon, wobei der Fluss schon ziemlich viel Wasser führt und die Regenzeit erst kurz vorbei ist.

Genau gegenüber unserer Anlegestelle liegt der Markt von Hue und am Ufer davor liegen viele vertäute Boote. Die meisten davon sehen aus wie Hausboote, wobei die Lebensumstände dort schon sehr ärmlich sind. Vorbei an diesen Booten fahren wir flussaufwärts und steuern unseren ersten Besichtigungspunkt an: die Thien Mu Pagode. Noch ist es relativ ruhig und wir sind nur mit wenigen anderen Touristen hier. Der Pagode vorgelagert, überragt ein hoher Turm das ganze Areal. Links und rechts des Turmes finden wir wieder die obligatorischen Trommeln, die Frank mal wieder nicht in Ruhe lassen kann. Die anschließende Pagode ist wie alle anderen auch reichlich verziert und extrem bunt. Die vorherrschende Farbe ist, wie überall, die Farbe rot.

Nach einem kurzen Aufenthalt geht es weiter zur größten Attraktion vor Ort, der verbotenen Stadt. Hue war zeitweise die Kaiserstadt von Vietnam und hier haben die Einwohner im 18. Jahrhundert eine kleinere Version der verbotenen Stadt von Peking nachgebaut. Durch ein Tor in der Stadtmauer kommt man in den ersten Innenbereich. Dort trifft man auf insgesamt 9 heilige Kanonen. Diese befanden sich zu Zeiten des Kaisers zur Verteidigung auf den Mauern. Die Franzosen haben diese dann aber bei der Machtübernahme demontiert und seither stehen sie an den beiden Eingangsstraßen. Den inneren Festungsmauern vorgelagert ist der Flaggenturm, auf dem weithin sichtbar die vietnamesische Flagge gehisst ist. Genau gegenüber befindet sich das Eingangstor in die verbotene Stadt, das sogenannte Mittagstor. Durch dieses zentral gelegene Tor betreten wir die Stadt und besichtigen zuerst das Gebäude mit den Empfangs- und Repräsentationsräumen. Jenes ist komplett restauriert, da es im Vietnamkrieg weitgehend zerstört wurde. Genauso erging es der gesamten Anlage: Sie wurde damals zum größten Teil zerbombt und wird in den nächsten Jahren wieder aufgebaut. Mehrere Gebäude stehen überhaupt nicht mehr, andere sind zumindest teilweise unversehrt. Laut unserem Reiseleiter soll die Anlage innerhalb von 10 Jahren wieder komplett aufgebaut werden.

Vorbei an 2 großen Teichen mit unzähligen Fischen gehen wir zur Halle der höchsten Harmonie. Hier steht leider nicht mehr allzu viel. Mehrere kleine, steinerne Drachen stehen in der Landschaft und man erkennt erst bei näherem Hinsehen, dass sie allesamt aus Plastik sind. Rechter Hand sieht man die Halle der Mandarine, in der heute ein Kiosk sowie ein kleines Museum untergebracht sind.

Nächster Anlaufpunkt ist das Theater, in dem zu Zeiten des Kaisers täglich Aufführungen stattgefunden haben. Mitten im Raum steht ein prachtvoller Thron und es sind einige kaiserliche Gewänder zu bewundern. Gegen einen recht teuren Obolus kann man sich hier verkleiden und sich dann als Kaiser mit Gefolge fotografieren lassen. Aber 20$ war es uns dann doch nicht wert.

Der Lesepavillon ist wieder ein optisches Highlight. Über und über ist er verziert mit Mosaiken und auch die Figuren auf dem Dach sind allesamt mit Tonscherben beklebt. Dieser Pavillon wurde von den Bomben der Amerikaner weitestgehend verschont und ist noch im Originalzustand erhalten.

Der Palast der Kaiserin ist gerade im Aufbau und überall arbeiten die Handwerker an der Fertigstellung. Hier kann man mal sehen, wie viel Arbeit in die Restaurierung gesteckt wird.

Zum Ende des Rundgangs kommen wir in einen Bereich, der noch nicht restauriert wurde und in dem man noch die Brandspuren des Krieges sehen kann. Mehrere Tore stehen teilweise zerstört und komplett verrußt neben unversehrten Gebäuden und geben ein surreales Bild ab.

Während wir die Eindrücke noch auf uns wirken lassen, warten wir außerhalb der Anlage auf unseren Bus, der uns jetzt zu den Kaisergräbern etwas fern der Stadt bringen wird. Insgesamt gibt es 4 oder 5 dieser Gräber, wir werden uns aber nur das Grab von Tu Duc ansehen. Unterwegs halten wir an, um uns einmal die Produktion von Räucherstäbchen anzusehen. Diese werden hier noch in Handarbeit gefertigt. Die Herstellung läuft folgendermaßen ab:

Zuerst wird eine Paste angerührt, die die duftenden Bestandteile wie Sandelholz, Zimt etc. enthält. Mithilfe eines Spatels wird diese dann auf die kleinen Holzstäbchen angebracht. Danach werden sie in Bündeln an die Sonne gestellt, um zu trocknen. Meine Freundin darf sich gleich mal an die Arbeit machen und schlägt sich ganz wacker. Sieht ziemlich leicht aus, ist es aber nicht. Natürlich decken wir uns gleich mal mit ein paar Päckchen ein.

Dank meinen fotografischen Eskapaden sagen die Akkus leise Servus und ich muss mich völlig „nackt“ auf die Besichtigung des Kaisergrabs machen. Die Anlage besteht aus einem großen Areal, in dem sich unter anderem ein See befindet. Dort wachsen tausende von Seerosen und Lotusblumen. Einer Legende nach, ließ Tu Duc von seinen Konkubinen den Morgentau von den Blüten sammeln, um sich daraus einen Tee zuzubereiten. Über eine Treppe kommen wir zu einem höher gelegenen Areal. Dort steht eine große Steilstele, auf der das Leben des Kaisers wiedergegeben wird. Diese Lebensgeschichte schrieb der Kaiser selbst, da das Grab schon lange vor seinem Tod gebaut wurde. Umbaut von mehreren Mauern findet man dann das Grab Tu Ducs, welches im Gegensatz zu der Anlage wenig beeindruckend ist. Ob sich des Körper wirklich innerhalb des Grabes befindet, kann auch heute nicht mit Sicherheit gesagt werden.

Den Nachmittag beenden wir mit gemütlichem Shoppen und am Abend treffen wir uns alle wieder und gehen zusammen zum Essen. Hier probieren wir das erste Mal eine Fanta Xa Xi (Sarsi). Ein sehr interessanter Geschmack, der dem Geschmack von Jägermeister ähnlich ist.

Zweiter Tag in Hue

Wiedersehen macht Freude. Aber nur, wenn es sich nicht um den schimmligen Kuchen vom Vortag handelt. Der hat aber anscheinend Sehnsucht nach mir und begrüßt mich gleich mal am Buffet. Na dann: Guten Morgen.

Heute steht ein freier Tag auf dem Plan, aber Thang (unser Reiseleiter) bietet an, dass wir gemeinsam auf den Markt gehen könnten. Diese Gelegenheit lassen wir uns nicht entgehen, denn so lernt man mal die ganzen exotischen Früchte besser kennen. Schon auf dem Weg dorthin kommen uns mehrere Frauen mit ihren typischen Tragekörben entgegen. Rund um den Markt herrscht bereits reges Treiben, da hier ja jeder schon ab 5 Uhr unterwegs ist.

Schon am Eingang sehen wir viele Früchte, die uns bisher noch nicht geläufig sind. Unter anderem probieren wir hier Rambutan und Longans, beides Früchte die der Litchi recht ähnlich sind. Gekühlt sehr lecker, aber hier am Markt doch eher recht warm und deshalb nicht so lecker. Im Markt werden wir von den Gerüchen halb erschlagen. Links und rechts von uns breiten alle ihre Früchte und ihr Gemüse aus, von Wasserspinat, über Gurken, Ingwer, Kokosnuss und Zuckerrohr ist hier alles zu bekommen. Hier probieren wir ganz junge Kokosnuss, was eine Delikatesse ist. Aber leider nicht für uns. Sieht aus wie ein Klumpen Schaumstoff und schmeckt auch irgendwie danach. Interessanter ist da schon die angrenzende Fisch- und Fleischabteilung. Da wird gehackt und geschnippelt was das Zeug hält, frische Fische, Meeresfrüchte und Frösche wohin man sieht. Und es herrscht ein Lärm und ein geschäftiges Treiben, dass man schier taub wird.

Nach erfolgreichem Überleben streben wir wieder den eher ruhigeren Zonen des Marktes zu. Hier wird alles verkauft, was man in entferntester Weise irgendwann einmal brauchen könnte. Hin und wieder kommt man an Garküchen vorbei oder es werden mitten im Gang Früchte verkauft. Bei einer Verkäuferin machen wir Halt und probieren eine Jackfrucht. Schmeckt klasse, sollte man aber nicht mit der Durian (Stinkfrucht) verwechseln. Die Jackfrucht hat kleine Stacheln, die Durian große. Und weshalb die Durian auch Stinkfrucht heißt, merkt man spätestens, wenn man sie anschneidet :-).

Nach gut 2 Stunden verlassen wir den Markt und treiben uns alleine in Hue herum. Wir wollen eine kleine Pagode besuchen und etwas abseits der Touristenströme die Stadt erkunden. Unweit des Marktes befindet sich die Dieu-Te Pagode in einer Nebenstraße. Überall sieht man Menschen, die die Spuren des Taifuns beseitigen, der hier vor knapp 2 Wochen gewütet hat. Viele Straßen sind noch mit einer dünnen Lehmschicht bedeckt, die jetzt mühsam weggeschippt und weggewaschen wird. Dort, wo die Touristen hauptsächlich verkehren, merkt man fast nichts davon, aber etwas abseits wird gerade erst angefangen. Die Pagode ist recht nett, aber leider geschlossen, so dass wir nur etwas durch den Garten pilgern, aber keinen Blick in sie werfen können. Also laufen wir weiter zu anderen Sehenswürdigkeiten: der Chien-Ung Pagode sowie dem Heiligtum Hoi Quan Quang Dong. Der Weg dorthin ist wesentlich länger als aus dem Stadtplan ersichtlich und ziemlich ernüchternd. Denn beide sind geschlossen und nur von außen zu betrachten. Jetzt haben wir die Wahl: Entweder wir laufen den gleichen Weg zurück, oder wir gehen bis zur nächsten Brücke, die gleich da sein sollte. Sollte!!! Nach einer halben Stunde und bei knapp 40 Grad in der prallen Sonne kommen wir auch wirklich dort an. Kein Problem, man kann ja überall etwas zu Trinken kaufen. Oder auch nicht, denn in der Mittagszeit hat fast kein Laden geöffnet. So trotten wir am Straßenrand bei Hitze und Staub wieder Richtung Hotel. Unterwegs finden wir dann doch noch einen Laden, der offen hat - der aber auch gesalzene Preise für die Flasche Wasser verlangt. Also schauen wir einfach mal, ob es nicht wo anders auch noch Wasser für uns gibt. Überraschenderweise haben doch einige andere Läden ebenfalls noch auf und verlangen sogar humanere Preise. Die bekommen dann auch unser Geld.

Am späten Nachmittag schlendern wir wieder durch die Gassen der Stadt und ich nehme mir 2 Whiskys für zu Hause mit. Einen pur und den anderen gemischt mit Reisschnaps. Die beiden werd ich mir daheim so richtig schmecken lassen. Den Abend lassen wir zusammen in einem Lokal ausklingen, das sehr touristisch angehaucht, aber trotzdem fast leer ist. Woran das liegt, keine Ahnung, das Essen ist hervorragend. Zum Schluss wollen wir noch einen Reisschnaps probieren. Auf der Karte ist dieser mit knapp 2 $ ausgezeichnet und das wären wir auch bereit zu zahlen. Auf Nachfrage stellt sich aber heraus, dass die Flasche (200 ml) 2 $ kostet, nicht das Glas. Na dann, her damit :-).

Morgen haben wir eine längere Fahrt vor uns. Wir werden den Wolkenpass überqueren und gegen Nachmittag in Hoi An ankommen.

Kontakt unter stefan-franke@reiseberichte-und-fotografie.de